Puppy Germany sagt 2026 ab. Was wir daraus für unsere Wahl mitnehmen
Am 18. Juli haben die Organisator:innen von Puppy Germany bekannt gegeben, dass ihre Wahl in diesem Jahr ausfällt. Im Wortlaut auf puppygermany.de: „nach reiflicher Überlegung und in Absprache mit allen Beteiligten haben wir die schwere Entscheidung getroffen, dass Puppy Germany 2026 unter den aktuellen Umständen nicht stattfinden wird“. Als Grund nennen sie Rückzüge während des Auswahlprozesses für die Finalist:innen: „Angesichts dieser Rückzüge sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir dieses Jahr keine sinnvolle Wahl durchführen können.“ Puppy Germany soll 2027 zurückkehren.
Das ist bitter, und zwar für alle Beteiligten. Hinter so einer Wahl stehen Menschen, die ihre Freizeit hineinstecken, und Kandidat:innen, die sich mit ihren Ideen öffentlich gezeigt haben. Beides verdient Respekt, und wir wünschen dem Team einen guten Neustart 2027.
Wir schreiben trotzdem darüber, weil wir gerade selbst eine Titelwahl bauen und diese Absage genau die Frage berührt, die uns seit Monaten umtreibt: Woran hängt eigentlich eine Community-Wahl?
Was uns daran strukturell auffällt
Eine Wahl, die von einer kleinen Zahl von Finalkandidaturen und einem einzigen Termin abhängt, ist verletzlich. Zieht in dieser Konstellation jemand zurück, wackelt schnell das ganze Jahr. Das ist kein Vorwurf an irgendjemanden, das ist Mathematik. Wir bauen unsere Wahl deshalb so, dass sie an möglichst wenigen einzelnen Punkten hängt.
Vier Entscheidungen, die daraus folgen
Kandidieren ohne Nadelöhr. Bei uns gibt es keine Vorauswahl, kein Casting und keine Jury, die aus vielen Bewerbungen drei macht. Wer volljährig, registriert und verifiziert ist, kann sich bewerben, und alle zugelassenen Kandidaturen werden gleichberechtigt vorgestellt, auf Wunsch unter dem Pupnamen. Damit gibt es keinen Auswahlprozess, in dem eine Wahl zerbrechen kann.
Gewählt wird elektronisch, nicht im Saal. Die Stimmen kommen aus dem Wahlregister, geheim und kostenlos, eine Stimme pro verifizierter Person. Eine Wahl hängt bei uns also nicht daran, wer an einem bestimmten Abend in einer bestimmten Stadt im Raum sitzt. Wer arbeitet, weit weg wohnt oder sich in der Szene noch nicht zeigen möchte, stimmt trotzdem mit.
Die Regeln stehen vorher fest und öffentlich. Satzung und Wahlordnung liegen als vollständiger Entwurf im Netz, bevor irgendjemand sie beschließt. Du kannst sie lesen und uns sagen, was daran falsch ist. Das ist ernst gemeint und schon einmal passiert: Nach einer Diskussion mit Pup Zovi haben wir den Entwurf geändert, seitdem geht Mitwählen ganz ohne Mitgliedschaft. Ausgezählt wird von einer unabhängigen Wahlleitung, die weder dem Vorstand angehört noch selbst kandidiert. Veröffentlicht werden Verfahren, Ergebnis, Beteiligung und die Zahl der Stimmberechtigten.
Das Titeljahr bekommt ein Budget. Geplant sind fünftausend Euro, zweckgebunden, abgerechnet gegen Belege und offen im Finanzbericht ausgewiesen. Ein Preisgeld ist das ausdrücklich nicht, es ist Werkzeug. Wer weiß, dass ein Titeljahr finanziert ist, überlegt sich eine Kandidatur anders, als wenn alles aus der eigenen Tasche kommt.
Was uns das nicht erspart
Ehrlich bleiben gehört zu unserem Versprechen, also sagen wir es selbst: Auch die beste Wahlordnung ersetzt keine Kandidaturen. Wenn sich niemand bewirbt, hilft uns kein Verfahren. Der Unterschied ist, dass bei uns niemand durch ein Nadelöhr muss und niemand an einem einzigen Termin hängt. Die Hürde für eine Kandidatur ist so niedrig, wie wir sie bauen konnten.
Warum uns dieser Verein so wichtig ist
Ein Titel ist zunächst eine Schärpe, ein Foto und Applaus. Was daraus wird, entscheidet sich danach. Die gewählte Person ist ein Jahr lang die, die antwortet, wenn jemand zum ersten Mal fragt, was Pupplay eigentlich ist: auf CSDs, in Interviews, bei Vereinen und Verbänden. Diese Frage wird gern auf das Sexuelle verkürzt. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild: In einer Community-Befragung mit 733 Teilnehmenden erlebt knapp die Hälfte Pupplay gleichermaßen sozial wie sexuell, 22,5 Prozent überwiegend oder ausschließlich sozial. Wer das erklären soll, braucht Rückhalt und ein Budget.
Und es geht um mehr als einen Titel. Ein Verein, dessen Satzung, Wahlordnung und Finanzen offen liegen, gibt der Community eine Struktur, die weiterläuft, auch wenn einzelne Menschen kürzertreten. Genau daran hakt es in ehrenamtlichen Szenen am häufigsten.
Kein Wettrennen
Unsere erste Wahl ist für 2027 geplant, Puppy Germany kommt 2027 zurück. Das ist kein Duell. Die Community ist groß genug für mehrere Titel, und wer bei mehreren mitmachen will, soll das tun. Auf unserer Übersichtsseite führen wir die Titel in Deutschland nach den Angaben ihrer jeweiligen Veranstalter auf, und wir nehmen jeden weiteren gern dazu.
Was du jetzt tun kannst
Die Satzung braucht sieben Gründungsmitglieder. Sie beschließen im Herbst 2026 auf der virtuellen Gründungsversammlung die endgültige Fassung und wählen den ersten Vorstand. Der wertvollste Beitrag bis dahin dauert zehn Minuten: Lies den Satzungsentwurf und sag uns, was daran nicht funktioniert. Jede Rückmeldung wird gelesen und beantwortet, und sie landet in der Fassung, über die abgestimmt wird.
Mitmachen: Gründungsmitglied werden oder die kostenlose Wahl-Registrierung vormerken. Oder schreib uns an wraff@thepupofgermany.com.